Stricken in CSB1, Tsinjony, Madagaskar

Vor einem Jahr, bei meinem letzten mehrtägigen Besuch bei der Hebamme Antoinine in Tsinjony, Madagaskar hat sie den Wunsch geäussert, Stricken zu lernen. Dieser Wunsch ist entstanden, nachdem unsere Verein ganz viele Käpplis und Socken für Neugeborene in Madagaskar geliefert haben. Ein paar der lokalen Frauen wollte gerne lernen, etwas selber zu stricken, aber wussten nicht wie.

Ich habe von verschiedenen Frauen in unserer Facebook-Gruppe (Norwegerinnen) ganz viel Wolle und Stricknadeln für dieses Projekt zugeschickt bekommen und vor ein paar Wochen war es so weit, ich ging wieder nach Tsinjony. Diesmal, um ein paar Frauen Stricken zu lernen.

Zu dieser Geschichte muss ich wohl erzählen, dass ich nicht die grösste Strickerin bin – und dass ich die letzten Jahre nicht viel gestrickt habe. So war ich ein bisschen gespannt, wie die nächsten Tage verlaufen würden, aber freute mich auch auf diese neue Herausforderung.

Ich bin am frühen Morgen an einem Donnerstag angekommen und Antoinine erzählte mir, dass schon am gleichen Nachmittag zwei Nachbarfrauen kommen würden, um Stricken zu lernen. Direkt nach dem Mittag fing ich mit Antoinine und Sabine, der Frau, die in der kleinen Apotheke arbeitet, an zu stricken. Die zwei Nachbarinnen kamen auch dazu, so jetzt waren wir insgesamt 5 Frauen, die probierten einen Schal zu stricken. Zum Glück besassen wir alle einen gute Portion Selbstironie und die Fähigkeit über uns selber zu lachen, weil so einfach wie die Frauen sich es vorgestellt haben, war es nicht. Sie merkten schnell, dass es einen weiten Weg und viel Übung beinhalten würde, bis sie irgendwann auch einen Pullover oder etwas Ähnliches produzieren könnten…

…aber aufgeben wollte zum Glück keine.

Antoinine lachte einmal verzweifelt, blickte mich an und sagte: „Ellen, es ist viel einfacher Babys zu empfangen, als zu stricken“

Nach mehr als drei Stunden mit vollen Konzentration und viel Humor machten wir Feierabend.  Eine der Frauen fragte mich bevor sie ging, ob es möglich wäre, ihre Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Etwas, das ich zu ihrer Freude bejahte….

…und als sie am nächsten Tag kam konnte ich deutlich sehen, dass sie am Vorabend,  bevor es dunkel wurde, oder am Morgen, viel gestrickt hatte.

Am Tag zwei kamen noch eine Frau und ihre Tochter dazu und bei sehr schönem Wetter sassen wir draussen und strickten den ganzen Nachmittag. Manchmal wurde es ganz still, bis dann irgend eine der Frauen, wieder in einen Lachanfall und mich um Hilfe bat, weil sie eine Masche verloren hatte, oder alles so eng gestrickt war, das ich ihr helfen musste es wieder in Ordnung zu bringen. Sie waren selber über die Stille und Konzentration überrascht, aber auch sehr stolz über das, was sie jetzt lernen durften. Sie haben sich auch immer wieder bedankt, dass ich gekommen bin um ihnen etwas Neues zu lernen. Im Laufe des zweiten Tags haben zwei der Frauen sich als sehr gute Anfängerinnen entpuppt, so ich habe mich spontan entschieden ihnen „meine Arbeit“ zu übergeben. Wenn jemand mich nach Hilfe fragte habe ich sie an eine dieser beiden Frauen weitergeleitet und konnte mit Freude sehen, dass sie selber ihre Probleme gemeinsam lösen konnten.

Am dritten Tag waren es insgesamt 9 Frauen (zwei davon junge Mädchen), die mit voller Freude draussen sassen und strickten. Heute war mein Ziel, den zwei fortgeschrittenen Frauen zu zeigen, wie man die Maschen zum starten macht und auch wie man eine Arbeit beendet. Meine Aufgabe war nach kurzer Zeit beendet und ich konnte mit grosser Freude anschauen, wie diese Strickgruppe selbständig und ohne weitere direkte Hilfe von mir ihre Arbeit weiter machen konnte.

An allen drei Tagen waren zusätzlich zu den Frauen auch viele Kinder dabei. Zwei Jungs haben auch probiert Stricken zu lernen, aber herausgefunden, dass Spielen einfacher und lustiger war, als mit zwei Stricknadeln zu kämpfen. Ich habe mit den Kindern gesungen und getanzt und die kleinsten, die mich am Anfang ein bisschen unheimlich gefunden haben sind am Ende auch aufgetaucht und haben mitgetanzt.

Am letzten Stricknachmittag haben alle Frauen für mich als Dankeschön getanzt. Sie wollen weiter stricken und wir haben abgemacht, dass ich nächstes Jahr wieder komme.

Bevor es so weit ist kommen vielleicht zwei Frauen aus der Schweiz nach Madagaskar und bleiben eine Woche in Tsinjony. Wenn ich das nächste Mal komme, bin ich also gespannt zu sehen, wie viel sie gelernt haben und ob wir uns auf unser nächstes Ziel stürzen können: eigene Mützen zu stricken!

Unten sehen sie ein paar Bilder von unseren lustigen Stricknachmittagen in Madagaskar:

Tag 1.
Tag 1 Stricken TsinjonyStricken Tsinjony, Tag 1

Tag 2.
Stricken Tsinjony, Tag 2

Tag 3.
Tag 3. Stricken Tsinjony

Wenn jemand von Euch Lust bekommen hat, an unserem Projekt in Madagaskar teilzunehmen (Wolle spenden, vor Ort selber unterrichten oder Babykäpplis und Socken für Neugeborene zu stricken) nehmen Sie mit mir Kontakt auf.

Antananarivo, September 2015

Ellen Spinnler

 

Zusatzinformation:

Tsinjony CSB1 ist ein kleiner Gesundheitsposten im Hochland von Madagaskar. In dieser Region wird es im Winter (Juni-August) sehr kalt, mit nächtlichen Temperaturen bis fast 0 Grad. Die Menschen leben von einfacher Landwirtschaft und sind froh, wenn sie genug Geld haben, um ihre Kinder und sich selbst zu sättigen.  Geld für Wolle zum Stricken ist nicht vorhanden. Darum sind wir für dieses Projekt angewiesen auf ihre Spenden. Wenn sie bei uns für dieses Projekt spenden möchten können sie Ihre Spende mit „Wolle für Tsinjony“ vermerken oder uns direkt Wolle zuschicken (Madagskarhaus Basel).

 

 

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