Ein Schultag in Nosy Varika, Madagaskar

Heute beginnt die zweite Schulwoche meines Freiwilligeneinsatzes in Nosy Varika, Madagaskar. Ich unterrichte Englisch, hauptsächlich an der A Bonne Ecole, aber auch privat für alle, die Interesse haben.

Ein typischer Schultag an der A Bonne Ecole beginnt für mich mit einem Spaziergang zur Schule. Ich gehe über Weg aus Sand durch das Städtchen Nosy Varika, an Holzhütten, Reisfeldern, Palmen und anderen tropischen Pflanzen vorbei. Am Weg begegne ich Kindern, die “Bonjour Vazary” rufen, Leuten, die mich fragen, was es Neues gibt (manche sogar auf Englisch!) und einigen Zebus. Nachdem ich das Fußballfeld überquert habe, komme ich am Holztor der ABE an. Ich überquere den Hof, der natürlich auch aus Sand ist, bis zu meinem Klassenzimmer. Die Kinder sehen mich schon durch das offene Fenster, sobald ich den Raum betrete, stehen alle auf und sagen im Chor “Bonjour Madame”. Meine Antwort darauf ist dann “ Good morning” und auf einmal wird es ganz still im Raum. Was sagt sie da? Good morning? Was will sie von uns?

Nach zwei, drei unbeantworteten “Good mornings” geht es aber dann doch und ein paar Schüler geben kichernd eine Antwort. Dann kommt schon die nächste Herausforderung: Die Kinder sollen nach vorne kommen und einen Kreis bilden. Ich nehme ein, zwei Kinder an der Hand, sie schauen mich mit großen Augen an und folgen zögerlich. Sobald alle verstanden haben, was die Aufgabe ist, geht es aber ganz schnell. Plötzlich stehen an die zwanzig oder dreißig Kinder rund um mich und schauen mich erwartungsvoll an.

Die Kinder an der ABE zählen zu den ärmsten im Ort. Ihre Kleidung ist gebraucht, fleckig und zerrissen. Die Zähne sind trotz Zähneputzens in der Schule faul und ungepflegt. Noch dazu spielen sie den ganzen Tag im Sand und sind von oben bis unten voller Staub.

Da stehen sie alle um mich im Kreis und schauen mich mit großen Augen an. Ich beginne mit einem Frage-Antwort Spiel mit einem Ball: Sofort sind alle voll konzentriert bei der Sache. Manche haben noch Scheu, zu antworten oder von den anderen ausgelacht zu werden, wenn sie etwas Falsches sagen. Aber andererseits spornt sie das auch an. Die Kinder lernen schnell – vor allem Lieder!

Verständigungsprobleme gibt es aber trotzdem immer wieder – vor allem bei den ganz Kleinen (vier bis fünf Jahre). Die Lehrerinnen sprechen kein Französisch, ich kein madagassisch und die Kinder sind wirklich noch klein. Da kann es schon einige Zeit dauern, bis alle verstehen, dass wir jetzt einen Kreis bilden.

Mit Liedern und Körpersprache schafft man dann aber doch immer eine Brücke und am Ende machen alle mit, so gut sie können. Für mich ist das Arbeit mit ganzem Körpereinsatz – und bei der Hitze komme ich richtig ins Schwitzen. Am Ende jeder Stunde bin ich müde, von oben bis unten staubig, aber auch glücklich.

In den Pausen am Schulhof habe ich anfangs versucht, etwas zu lesen oder madagassisch zu lernen. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass das unmöglich ist. Eine Traube von Kindern schart sich um mich und schaut mich erwartungsvoll an. So lange, bis ich den Ball aus meiner Tasche hole und mit ihnen spiele. Das ist natürlich großartig, so lernen sie auch in den Pausen. Für mich ist das ein großes Kompliment, wenn sie so viel Interesse zeigen. Alle wollen neben mir sitzen oder meine Hand halten  und rücken immer näher. Manchmal wird mir das dann aber doch zu viel und ich mache lieber einen kleinen Spaziergang.

Spätestens aber im Klassenzimmer merke ich, wie großartig es ist, mit den Kindern zu arbeiten und ihnen etwas beizubringen. Ihre Energie steckt richtig an!

Christina Mayer, Nosy Varika, Madagaskar

A bonne ecole

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